Wenn jeder in deinen Kopf schauen könnte – würdest du dich auch in 600 Metern Tiefe verstecken?
Ein durchsichtiger Kopf, grüne Augen und ein ausgeprägtes Talent, Menschen aus dem Weg zu gehen: Der Glaskopffisch ist eines der kuriosesten Tiere der Tiefsee. Und er bringt mich auf eine ziemlich persönliche Frage.
Stell dir vor, jeder könnte in deinen Kopf schauen. Ohne Vorwarnung, ohne Passwort, ohne Privatsphäre. Dein Chef sähe, was du von seiner letzten „genialen Idee“ hältst. Dein Partner wüsste, was du wirklich über die neue Wohnzimmerdeko denkst. Und dein Tauchbuddy würde merken, dass du gerade weniger über die Unterwasserwelt nachdenkst als über das Abendbuffet.
Ich wäre wenig begeistert. Und ich bin der Chef.
Glaskopffisch: Wenn die Evolution beim Datenschutz versagt
Macropinna microstoma klingt nach einer italienischen Pastasorte, ist aber ein etwa 15 Zentimeter kleiner Tiefseefisch mit einer transparenten, flüssigkeitsgefüllten Kuppel auf dem Kopf. Und nein, die zwei dunklen Punkte vorne sind nicht seine Augen, das sind Geruchsorgane. Die echten Augen sitzen dahinter, sind röhrenförmig und leuchten grün.
Lange dachte man, diese Augen blickten starr nach oben. Erst Aufnahmen und Beobachtungen des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) zeigten: Der Fisch kann sie nach vorne drehen. Er schaut nach oben nach Beute und richtet den Blick dann nach vorn. Ein eingebauter Perspektivwechsel, ganz ohne Coaching-Seminar.
Was nach Konstruktionsfehler aussieht, ist eine Anpassung an eine Welt, in der kaum Licht ankommt und Biolumineszenz das Sagen hat. Der Glaskopffisch ist nicht schlecht gebaut. Er ist für eine Umgebung gebaut, in der wir ziemlich verloren wären.
7.000 Tauchgänge, elf Begegnungen
Am 20. Oktober 2026 filmte MBARI einen Glaskopffisch im Pazifik vor Kalifornien in rund 600 Metern Tiefe, die Meldung folgte am 28. Oktober. Es sind hochauflösende 4K-Aufnahmen, und das Besondere ist: Bei etwa 7.000 Einsätzen von Tauchrobotern wurde die Art nur elfmal gesichtet.
Elfmal. Menschen, die keinen Tag ohne Instagram-Story überstehen, sollten sich daran ein Beispiel nehmen.
Ist er menschenscheu? Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Die Tiefsee ist riesig, die Tiere sind klein, Zufallsbegegnungen selten. Aber ehrlich: Mit einem durchsichtigen Kopf würde ich mir auch eine abgelegene Adresse suchen.
Was wäre in deinem Kopf zu sehen?
Bei den meisten wohl: Termine, Einkaufslisten, Ärger über Dinge, die sich nicht ändern lassen, und die Frage, ob die Kaffeemaschine noch an ist. Dazu dieser eine Gedanke, der seit Tagen im Kreis läuft. Eine Ausschalttaste wäre manchmal wirklich praktisch.
Ich habe meine gefunden. Sie heißt Tauchen.
Wenn ich abtauche, verschwinden die Geräusche der Welt über mir, und nur mein Atem bleibt. Ich schwebe über dem Riff, ein Schwarm Fahnenbarsche tanzt im Sonnenlicht, eine Schildkröte zieht vorbei. Keine E-Mails, keine Telefonate, keine Besprechungen. Die Dinge, die an Land so dringend wirkten, verlieren ihre Wichtigkeit.
Ja, auch unter Wasser ist mein Kopf nicht leer. Buddy, Ausrüstung und Umgebung wollen im Blick bleiben. Aber das Gedankenkarussell kommt erstaunlich schnell zur Ruhe.
In diesen Momenten dürfte jeder gerne in meinen Kopf schauen. Er würde ein bisschen Staunen finden, ein bisschen Glück, sehr viel Ruhe. Und vermutlich den Gedanken: „Verdammt, ist das schön hier.“

Du musst nicht 600 Meter tief tauchen
Dafür brauchst du keine Tiefsee und keinen Tauchroboter. In Dahab reichen zehn Meter: warmes, klares Wasser, ein Riff, das direkt vor der Haustür beginnt, und ein Tauchgang ohne Hektik. Genau deshalb leben und arbeiten wir seit so vielen Jahren hier.
Du bist noch nie getaucht? Dann ist das der beste Moment dafür. Mit dem SSI Open Water Diver lernst du bei uns in entspannter Atmosphäre alles, was du brauchst, und erlebst das Rote Meer gleich von seiner schönsten Seite. Bist du schon Sporttaucher, wartet Dahab mit Riffen, Wänden und Tauchplätzen, für die sich auch ein erfahrener Taucher gern ein paar Tage mehr Zeit nimmt. Und wer seine Fähigkeiten ausbauen will, findet bei uns passende Specialties.
Ich lade dich ein, es auszuprobieren. Ich verspreche dir: Nach dem ersten Tauchgang interessiert dich nicht mehr, wer in deinen Kopf schaut.
Vielleicht hat der Glaskopffisch das bessere Leben
Ob unser durchsichtiger Freund etwas Ähnliches empfindet, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass er perfekt an seine Welt angepasst ist und einfach dort ist, wo er hingehört.
Das ist vielleicht die schönste Lektion: sich nicht ständig mit allem gleichzeitig zu beschäftigen.
Wenn jeder sehen könnte, was in deinem Kopf vorgeht, würdest du dich dann lieber in 600 Metern Tiefe verstecken? Ich sage: Kommt darauf an. An einem hektischen Montagmorgen vermutlich sofort. Bei einem entspannten Tauchgang im Roten Meer darf jeder hineinschauen.
Happy Diving!
Christian von Lagona Divers
PS: Beide Bilder in diesem Beitrag sind KI-generiert. Aufnahmen eines so seltenen Tieres gehören den Forschern, die dafür Jahrzehnte und tausende Tauchgänge investiert haben, und verbreiten darf man sie nicht einfach so. Wer wissen möchte, wie der Glaskopffisch wirklich aussieht, findet die Originalaufnahmen und Veröffentlichungen über die Links unten. Es lohnt sich, ich habe selbst eine Weile gestaunt.
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Noch mehr ungewöhnliche Meeresbewohner und Tauchgeschichten findest du im Lagona Divers Blog.
Quellen und weiterführende Informationen
- Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI): „Rarely seen deep-sea barreleye fish filmed in 4K“, Meldung vom 28. Oktober 2026, Wiedergabe bei Phys.org
- Oceanographic Magazine: „Rare footage of barreleye fish with see-through head“, 29. Oktober 2026
- MBARI: Steckbrief Barreleye fish (Macropinna microstoma)
- MBARI: „Researchers solve mystery of deep-sea fish with tubular eyes and transparent head“, 2009
- Robison, B. H. & Reisenbichler, K. R. (2008): Macropinna microstoma and the Paradox of Its Tubular Eyes. Copeia 2008(4), 780–784. DOI: 10.1643/CG-07-082
Hinweis: Die genannten Sichtungen beziehen sich auf die dokumentierten Beobachtungen des MBARI, nicht auf den weltweiten Bestand der Art.



