Buntes, gesundes Korallenriff im Roten Meer bei Dahab mit Fahnenbarschen

Eine Berührung, die Korallen rettet – ein Zufall im Labor macht Hoffnung

Manchmal beginnt Wissenschaft mit einem Missgeschick.

Steve Palumbi, Meeresforscher an der Universität Stanford, hatte in einem Laborbecken zwei Korallenstücke aus derselben Kolonie. Das eine war gesund, das andere ausgebleicht. Dann kippte eines um und berührte das andere.

Wenige Wochen später war das weiße Stück wieder farbig. Und gesünder.

Wir Taucher kennen das Weiß. Wir wissen, wie weh es tut, wenn ein Riff, das man liebt, plötzlich blass wird. Umso mehr freuen wir uns über gute Nachrichten.

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Auf einen Blick

  • Was: Stanford-Forscher entdecken, dass ein gesundes Korallenfragment ein ausgebleichtes heilen kann
  • Wie: Direkter Kontakt, über den nützliche Algen wandern
  • Ergebnis: Berührte Fragmente erholten sich in sieben Wochen vollständig, Fragmente ohne Kontakt starben
  • Haken: Noch keine Lösung für ganze Riffe
  • Stand: 16. Oktober 2026 (Quelle: FOCUS online / dpa)

Was bei der Korallenbleiche passiert

Steinkorallen leben in einer Gemeinschaft mit winzigen Algen, von der beide profitieren. Unter Stress stoßen sie diese Algen ab und verlieren dadurch ihre Farbe. Das weiße Kalkskelett schimmert dann durchs Gewebe.

Als Hauptursache der weltweiten Massenbleichen nennen Experten den menschengemachten Klimawandel.

Eine gebleichte Koralle ist aber nicht automatisch tot. Sinken die Temperaturen rechtzeitig, kann sie neue Algen aufnehmen und sich erholen.

Nahaufnahme einer Koralle, halb farbig und halb ausgebleicht
Links Farbe, rechts Weiß: So unterschiedlich sehen gesunde und gebleichte Korallen aus.

Der Versuch: zehn Paare, zwei Abstände

Palumbis Team wollte dem Zufall auf den Grund gehen. Es bildete zehn Paare aus je einem gesunden und einem gebleichten Fragment. Bei der Hälfte lagen die Stücke direkt aneinander, bei der anderen Hälfte blieben nur wenige Millimeter Abstand.

Das Ergebnis war eindeutig:

  • Gebleichte Stücke mit Kontakt erholten sich innerhalb von sieben Wochen vollständig.
  • Gebleichte Stücke ohne Kontakt starben ab.

Unter dem Mikroskop sahen die Forscher feine Kanäle im Gewebe, über die die Fragmente verbunden waren.

Infografik: Gebleichte Koralle mit Kontakt zur gesunden erholt sich, ohne Kontakt stirbt sie ab
Kontakt macht den Unterschied: Nur berührte Korallenstücke erholten sich.

Warum es funktioniert: Klone erkennen sich

Genetisch identische Korallen erkennen sich bei Kontakt, und ihre Gewebe verschmelzen. Palumbi zieht den Vergleich zur Organtransplantation zwischen eineiigen Zwillingen. Über diese Verbindung wandern die nützlichen Algen von der gesunden zur kranken Koralle.

Dass sie das so schnell tun und sich dort vermehren, hatte die Forschung bisher nicht erwartet. Palumbi sprach gegenüber der „New York Times“ von der großen Überraschung.

Schon nach etwa einer Woche Kontakt, teilweise nach fünf Tagen, hatten die Korallen offenbar genug Algen aufgenommen, um sich selbst zu erholen.

Wer Korallen erkennt, taucht mit anderen Augen

Das Riff ist voller Leben. Wer weiß, welche Korallen da wachsen, sieht bei jedem Tauchgang mehr.

Genau dafür gibt es den SSI Coral Identification Specialty Diver. Du lernst, die wichtigsten Korallenarten zu bestimmen, erfährst, warum die Ozeane so wichtig für uns alle sind, und was du mit ein paar einfachen Maßnahmen zu ihrem Schutz beitragen kannst. Am Ende hältst du deine Zertifizierung in der Hand.

Das Schöne daran: Du brauchst keine Vorerfahrung und keine Zertifizierung. Mit 7 Theorieeinheiten ist der Kurs in etwa 3 bis 6 Stunden geschafft. Hier geht’s zum Kurs.

Tipp: Wenn du den Kurs vorab buchst, stehen unsere Tauchlehrer am ersten Tag für dich bereit.

Verschiedene Korallenformen im Riff von Dahab, Tisch-, Ast- und Hirnkoralle
Tisch, Ast, Hirn: Wer die Formen kennt, liest das Riff wie ein Buch.

Der Haken: noch keine Lösung für ganze Riffe

Wir wollen ehrlich bleiben. Für die Bleichen, die es bereits gibt, bringt der Fund noch keine Lösung. Man bräuchte zu jeder gebleichten Koralle eine gesunde, genetisch identische Kopie. Im großen Stil lässt sich das nicht umsetzen, heißt es in der Studie, zumal viele Korallen schon abgestorben sind.

Das Team will nun untersuchen, ob sich Algen auch ohne ständige Berührung einbringen lassen.

Warum uns das trotzdem Mut macht

Weil es zeigt, dass Riffe mehr Selbstheilungskraft haben könnten, als wir dachten. Palumbi sieht darin Grund zur Hoffnung, dass sich die entdeckten Mechanismen als nützlich erweisen.

Und weil jede gute Nachricht uns daran erinnert, wofür wir tauchen: für lebendige, bunte Riffe.

Wir schauen nur mit den Augen

Kleiner Hinweis in eigener Sache, ganz ohne Zeigefinger: Die Berührung im Labor war ein kontrolliertes Experiment. Beim Tauchen bleiben unsere Hände bei uns, die Flossen oben und der Auftrieb im Griff.

Taucher schwebt ruhig und mit guter Tarierung über einem Korallenriff im Roten Meer
Hände bei uns, Flossen oben, Auftrieb im Griff: So gehört das Riff allen.

Fazit

Ein umgekipptes Korallenstück, sieben Wochen Geduld und eine Erkenntnis, die Hoffnung macht. Das Riff ist robuster, als wir manchmal fürchten, aber es braucht uns als achtsame Gäste.

Du möchtest dein Riff-Erlebnis planen? Buche dein Tauchen in Dahab – und wenn du keine Neuigkeiten vom Riff verpassen willst: Abonniere unseren Newsletter.

Wir sehen uns unter Wasser.

Häufige Fragen

Was ist Korallenbleiche?
Die Koralle verliert ihre Algen und damit ihre Farbe. Sie ist geschwächt, aber nicht sofort tot.

Kann sich eine gebleichte Koralle erholen?
Ja, wenn die Temperaturen rechtzeitig sinken und sie wieder Algen aufnimmt.

Rettet der Fund unsere Riffe?
Noch nicht, die Methode lässt sich bisher nicht im großen Stil einsetzen.

Darf ich Korallen berühren, um zu helfen?
Nein, bitte nicht. Das war ein kontrolliertes Laborexperiment.

Was lerne ich im Coral Identification Specialty?
Du lernst, die wichtigsten Korallenarten zu erkennen, warum die Ozeane wichtig sind, welche Gefahren sie bedrohen und wie du helfen kannst.

Brauche ich Vorkenntnisse?
Nein. Es gibt keine Zertifizierungsvoraussetzungen, der Kurs besteht aus 7 Theorieeinheiten (3–6 Stunden empfohlen).

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